Autor: AS Histo Journal

Wolfgang und Hasmann: Die wilde Wanda und andere gefährliche Frauen

Gabriele Hasmann & Sabine Wolfgang – »Die wilde Wanda und andere gefährliche Frauen« – Verbrecherinnen über die Jahrhunderte – »Verbrecherinnen über die Jahrhunderte « D ie Autorinnen stellen in ihrem Buch bekannte und unbekannte Verbrecherinnen vor, die vom 18. bis 20. Jahrhundert ihren Mitmenschen das Leben schwer machten, sie manchmal auch Leben zum Tode beförderten. Einzige Ausnahme, die noch in das 16. Jahrhundert zurückreicht, ist der bekannte Fall der Elisabeth Bathory, der 1611 der Prozess gemacht wurde und deren grausames Taten ihresgleichen suchten. Im 20. Jahrhundert ist die KGB-Agentin Edith Tudor-Hart bekannt geworden, die eine führende Rolle bei der Rekrutierung des Spionagerings Cambridge Five spielte und zum Beispiel auch Kim Philby anwarb, ein prominentes Mitglied dieser Gruppe. Das Buch widmet sich 22 dokumentierten Kriminalfällen, die die Autorinnen jeweils vier Hauptmotiven zuordnen: Rache und Hass, Geltungsbedürfnis und Luxussucht, Habgier und Geldnot sowie Lust und Leidenschaft. Dass die Fälle selbst jeweils nach dem gleichen Muster geschildert werden, bietet dem Leser wegen ihrer Vielzahl und Unterschiedlichkeit eine gewisse Orientierung: Zu Beginn jedes Falles steht eine Zusammenfassung, die einen …

Ulf Schiewe: Die Kinder von Nebra

Ulf Schiewe – »Die Kinder von Nebra« – »Zeitreise in die ferne Bronzezeit« Wir schreiben das Jahr 1999. Zwei Raubgräber sind auf dem Mittelberg in Wangen in Sachsen-Anhalt unterwegs. Als ihre Metalldetektoren anschlagen, können sie noch nicht ahnen, welchen Fund sie zu Tage fördern sollten: außer zwei reich verzierten Schwertern, zwei Beilen, den Resten zweier Armspiralen und einem Meißel kam eine Bronzescheibe ans Licht, die heute als Himmelsscheibe von Nebra jedem historisch Interessierten ein Begriff ist. Allerdings sollte es noch drei Jahre dauern, bis der Schatz nach weiteren Stationen im Jahr 2002 in einer fingierten Ankaufssituation durch den Landesarchäologen Dr. Harald Meller und unter Einsatz der Polizei in einem Baseler Hotel sichergestellt werden konnten. Seitdem ist die Himmelsscheibe mit ihren Beifunden in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale zu sehen. Mit ihrer Erforschung ermöglicht vor allem die Himmelsscheibe den Archäologen einen tieferen Einblick in die europäische Bronzezeit. Mit großer Wahrscheinlichkeit zeigt sie eine astronomische Konstellation, die es ermöglicht, die Sonnenwenden zu berechnen. Eine Kunst, die für eine Gesellschaft von Ackerbauern …

Histo Journal Interview: Claudia und Nadja Beinert

Histo Journal Interview: Claudia und Nadja Beinert – Vermutlich sind Claudia und Nadja Beinert das erfolgreichste Autoren-Zwillingspaar in Deutschland. Mehrfach wurden ihre historischen Romane ausgezeichnet. Ihre Themen: Starke Frauen in der Geschichte. Am 4. Mai 2020 erschien mit »Das Juliusspital – Ärztin aus Leidenschaft« der Auftakt zu einer neuen Romanreihe. Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Viviana, Tochter aus gutem Hause, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem ihr von der Gesellschaft verpassten Korsett befreien und ihren eigenen Weg gehen möchte … Anlass genug also, um die sympathischen Schwestern zu Viviana und deren Weg zum Glück – bzw. in den OP-Saal -, zur Emanzipation der Frauen & der Medizin im vorletzten Jahrhundert zu befragen – und last not least, was guter Wein mit dem Roman zu tun hat. Fragen und Antworten wurden hierbei per E-Mail hin- und hergeschickt. Histo Journal: Euer neuer Roman ist der Auftakt zu einer Reihe und heißt »Das Juliusspital – Ärztin aus Leidenschaft« und verhandelt Themen wie Emanzipation der Frauen, Entwicklung der Medizin, Frauenrechte im Bereich der Wissenschaft … …

Cora Stephan: Margos Töchter

Cora Stephan – »Margos Töchter« – Jeder Mensch hat eine Mutter. Jana Seliger hatte zwei. Wer ist diese Margo überhaupt um deren Töchter es in diesem Roman geht? Die Leserinnen von »Ab heute heiße ich Margo« wissen es bereits. Die übrigen aber sollten sie kennenlernen. Allerdings mindert die Unkenntnis nicht den Genuss, den die Lektüre von »Margos Töchter« bereitet. Auch diesmal widmet sich Cora Stephan wieder einem Kapitel deutsch-deutscher Geschichte, dem zwischen deutschem Herbst und Mauerfall, und dessen Auswirkungen bis heute. Zwei Frauen, Leonore und Clara, sind die Hauptfiguren. Doch nein, eigentlich sind drei Frauen die Protagonisten dieses Romans, denn Schlüsselfigur ist Jana, Leonores Adoptivtochter. Sie zweifelt an dem angeblichen Selbstmord ihrer Adoptivmutter, die vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Der Vorfall lässt sie nicht los, und sie beginnt über die Umstände von Leonores Tod nachzuforschen. Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit einem Antrag auf Akteneinsicht in Unterlagen des Ministerium für Staatssicherheit (MfS), den Jana gestellt hatte, um mehr über ihre Adoptivmutter Leonore Seliger zu erfahren. Und über ihre leibliche Mutter Clara. …

Ulf Schiewe: Der Attentäter

Ulf Schiewe – »Der Attentäter« – Ulf Schiewes neuer historischer Thriller widmet sich dem Ereignis, das die damalige Welt aus den Fugen bringen sollte. Packend und bis zur letzen Seite bravourös erzählt. Doch der Reihe nach …  »Der österreichische Thronfolger und seine Gattin ermordet.« So titelte die Vossische Zeitung am 28. Juni 1914. Der Korrespondent hatte diese Nachricht per Telegramm an seine Zeitung geschickt, die daraufhin umgehend ein Extrablatt herausbrachte. Die Ermordung des Thronfolgers und seiner Gattin verschärften daraufhin die Situation auf dem Balkan und führten wenige Wochen später in das hinein, was die Zeitgenossen als Weltenbrand bezeichneten. Die politische Situation, die zum Ersten Weltkrieg führte, ist komplex. Seit 1912 hatten die Zeitgenossen mit einer Krise auf dem Balkan gerechnet. Staaten wie Frankreich und Russland hatten sich vorab – im Falle eines Casus Belli – abgesichert. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger evozierte einen Handlungsablauf, dessen Script wenige Jahre zuvor niedergeschrieben worden war. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf …  Es gibt Attentate, die in unserem kollektiven Gedächtnis mit Personen verbunden sind. Das auf Präsident Kennedy …

Filmkritik: Intrige

Intrige Paris, am Ende des 19. Jahrhunderts: Der französische Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus {Louis Garrel} ist vielen ein Dorn im Auge, denn er ist Jude, der einzige im gesamten französischen Generalstab. Am 22. Dezember 1884 erreichen seine Gegner ihr Ziel: Weil er Militärgeheimnisse verraten haben soll, wird Dreyfus wegen Landesverrat von einem nicht-öffentlichen Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt und auf die sogenannte Teufelsinsel vor der Küste von Französisch-Guayana verbannt. Als Cineast freut man sich immer, wenn ein Film kontrovers diskutiert wird. Bei »Intrige« geht es in der Diskussion aber weniger um den Film, seinen Inhalt oder seine Machart: Es geht um den Regisseur Roman Polanski. Gegen ihn stehen immer noch Vorwürfe der Vergewaltigung im Raum und als Antwort darauf macht er einen Film, in dem ein Mann zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird aus keinem anderen Grund, als dass er Jude ist. Und in Interviews macht Polanski keinen Hehl daraus, dass er eine Parallele sieht zwischen sich und Alfred Dreyfus, der 1895 bezichtigt wird, Hochverrat an seinem Heimatland Frankreich begangen zu haben. Wird hier nach einem …

Angela Steidele – Poetik der Biographie

Angela Steidele – »Poetik der Biographie« – Vor kurzem gab es eine amüsante Aufregung im Netz: Erste Auszüge aus einer Biografie über den österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz waren publik geworden, und es hagelte Hashtags wie »50 Shades of Kurz«, denn die Biografin Judith Grohmann hatte sich scheinbar von der Erotik der Macht inspirieren lassen, und darüber hinaus bedient sie sich einer Sprache auf Groschenroman-Niveau. Der Vergleich zum Hausfrauen-Porno lag da auf der Hand. Die Netz-Häme ist dabei nicht nur ein Kommentar zum politischen Geschehen in der Alpenrepublik, sie zeigt auch, welcher populärer Konsens über die Gattung der Biografie herrscht. Erstens muss man sich eine Biografie verdienen. Auch die Schreckensgestalten der Geschichte haben ihre Biografen gefunden – vermutlich sind sie zahlenmäßig stärker vertreten als die vorbildlichen Charaktere – aber in der öffentlichen Wahrnehmung ist eine Biografie lebender Zeitgenossen zunächst mal eine Auszeichnung. Biografie und historische Größe gehören zusammen. Eine Auszeichnung, die Sebastian Kurz von vielen nicht zugestanden wird. Zweitens darf man eine Biografie nicht selbst lancieren. Zwar ist es längst allgemein bekannt, dass Prominente Ghostwriter an …

Filmkritik: Once Upon A Time in … Hollywood

»Once Upon A Time in … Hollywood« – Bevor der Film anlief, habe ich von einigen gehört: »Ich mag Tarantino-Filme nicht«, und das ist ein Lob. Es heißt nämlich, dass Tarantino-Filme sich von allen anderen immer erkennbar unterscheiden, dass sie eine »Handschrift« haben. Zu sagen, dass diese Handschrift vor allem in Gewalt besteht, wäre zu ungenau: In allen Hollywood-Action-Filmen ist Gewalt das tragende Element. Es geht bei Tarantino um eine Gewalt, die unverhältnismäßig ist, die zunächst eine korrektive Funktion zu haben scheint und dann ins Exzess mündet und das Bündnis zwischen Zuschauern und Held oder Heldin in Frage stellt oder sogar unmöglich macht, denn solche Gewalt setzt Mitleidlosigkeit voraus. Die Manson-Morde scheinen daher als Thema eine Unabdingbarkeit in Tarantinos Filmografie zu sein. Der Mann, nach dem die Morde benannt wurden, Charles Manson, war bei der Tat nicht anwesend. Mitglieder seiner »Familie« – eine Hippie-Kommune – drangen im August 1969 in das Anwesen von Roman Polanski ein, ermordeten seine hochschwangere Frau Sharon Tate und vier weitere Personen mitleidlos, bestialisch, scheinbar ohne Motiv. Mit den Manson-Morden endete …

Brigitte Glaser – Rheinblick {Hörbuch}

Brigitte Glaser – »Rheinblick« – Genau an diesem Punkt, Brandts Sprachlosigkeit, setzt Glaser in ihrem Roman an. Sie rückt jedoch nicht Brandt in den Fokus, sondern drei Frauen, deren jeweiliges Schicksal mit der Bonner Politik auf das Engste verknüpft ist. Wie schon in »Bühlerhöhe« erweist sich Glaser als feinfühlige und subtile Erzählerin. Hilde gehört der ›Rheinblick‹. Als Mann wäre sie in ihren ›besten Jahren‹: Die Vierzig knapp überschritten, autonom, weil berufstätig, Witwe, attraktiv, verschwiegen, loyal. Nur ihr Privatleben, insbesondere den Traum eines erfüllten Liebeslebens, hat sie frühzeitig an den Nagel gehängt. Ihrem verstorbenen Mann, ein guter Kerl, wie selbst findet, hätte sie eigentlich treu sein müssen. Aber die Gefühle für einen anderen Mann, einem, der ihre Leidenschaft weckte, funkte dazwischen. Ein kurzes Aufflackern davon, wie Leben sein kann. Vorbei. Jetzt lebt sie für den ›Rheinblick‹, der ihr Lebenswerk ist. Hier trifft sich alles was in der Bonner Politik einen Namen hat – oder zu einem werden möchte. In ihrem Lokal geben sich die Politiker jeder Couleur und deren Gefolge die Klinke in die Hand. Es …

Brigitte Glaser – Rheinblick

Brigitte Glaser »Rheinblick« – 1972 – Anfang der 70er Jahre – die Adenauerzeit ist vorbei und den direkten Folgen des Zweiten Weltkrieges – erscheint endlich ein Hoffnungsschimmer am politischen Horizont. Der Hoffnungsträger kommt von der SPD und heißt Willy Brandt. Und der will nach dem CDU-Kanzler eine völlig neue Politik wagen. 1972 ist das Jahr der Willy-Wählen-Kampagne, die mit Willy Brandts überraschenden Wahlsieg endete. Seinen kometenhaften Sieg hat Brandt vor allem den Frauen und Jungwählern zu verdanken. Annäherung anstelle von Konfrontation war der Grundgedanke seiner Politik. Am deutlichsten zeigte er seine Einstellung sicherlich 1970 durch den Kniefall im Warschauer Ghetto, anlässlich der Verhandlungen der Warschauer Verträge. In der deutschen Bevölkerung erwacht ein neuer Geist. Während die Generation der Eltern noch in den Zwängen und Erziehungsmodellen der Nazi-Zeit verhaftet ist, beginnt die Revolte und der Aufbruch der Jugend. Gerade sie erhofft sich durch Willy Brandt einen Erneuerer und ist bestrebt, sich aus dem noch spürbaren Nazi-Sumpf zu befreien. Hier entsteht ein völlig anderes Lebensmodell: Wer etwas auf sich hält, lebt in einer WG, studiert der Form …