Artikelkategorie: Buchbesprechungen

Die Toten von Paris – Michelle Cordier

Buchbesprechung: Michelle Cordier »Die Toten von Paris–« Gerade haben die Alliierten die Deutschen aus Paris verlassen, als der junge Inspektor Jean Ricolet im Sommer 1944 aus den südfranzösischen Cevennen in der Metropole eintrifft. Überwältigt von der Stadt, die sich noch ganz dem Taumel der wiedergewonnen Freiheit hingibt, genießt Ricolet die fremden Eindrücke der Großstadt. Einerseits erlebt er die Härten des Krieges, zerbombte Gebäude, Lebensmittelknappheit, Barrikaden, Einschusslöcher, andererseits die erwachende urbane Lebendigkeit und Lebensfreude. So erhebend die städtische Atmosphäre auf ihn wirkt, so ernüchternd ist sein Arbeitsantritt in der Securité. Viele Polizisten wurden als Kollaborateure verhaftet oder suspendiert, herrscht Personalmangel, seine beiden Kollegen schieben resigniert Dienst nach Vorschrift. Der ihm vorgesetzte Kommissar Brulait betrachtet das Landei Ricolet mit gemischten Gefühlen. Ist er ein Tölpel vom Land, oder ein pfiffiger Bauernschlauer? Einerseits könnt Brulait fähige Verstärkung in seinem Team gut gebrauchen, andererseits käme ihm selber wegen seiner Kooperation mit den Deutschen eine weitere Schlafmütze sehr gelegen. Ricolet bekommt den Fall eines vom Mob erschlagenen Fleischers, eine klare Sache, denkt Brulait, Routinearbeit. Genau richtig für den Neuen. Doch …

Die Bücherjäger – Dirk Husemann

Buchbesprechung: Dirk Husemann »Die Bücherjäger –« Im Jahr 1417 ist in Konstanz der Teufel los, fast im wahrsten Sinne des Wortes. Die Anhänger des deutschen Königs hatten Papst Johannes mit der Aussicht auf ein Turnier aus der Stadt gelockt, um ihn zu ermorden. Der Papst ist Johannes der XXIII, mit bürgerlichem Namen Baldassare Cossa hat er sich als Seeräuber im Thyrrenischen Meer einen Namen gemacht. Als Sohn des Grafen von Troia war Cossa zunächst Offizier, wurde als Laie Kardinal und erhielt später die geistlichen Weihen. Bis er zum Papst avancierte. Zu einem von drei Päpsten, genauer gesagt, denn es ist die Zeit des abendländischen Schismas. In den letzten Jahren, als die Päpste in Rom und Avignon konkurrierende Ansprüche stellten, wurde Cossa Nachfolger von Alexander V., der 1409 vom Konzil von Pisa als neuer Papst gewählt worden war. Damit gab es aber nun drei konkurrierende Päpste. Mit jeweils entsprechender Gefolgschaft. So ist der historische Rahmen des Romans grob umrissen, der während des Konzils in Konstanz seinen Anfang nimmt. Mit der Flucht Baldassares aus der Stadt. Eigentliche …

Der Kaufmann und die Unbeugsame – Daniela Wander

Der höfische Alltag in all seinen Facetten … Kein angenehmer Zeitgenosse, den Hermann von Auerbroich für seine Tochter Jolanda ausgesucht hat. Walther von Doncerbosch, Mitglied des Hofstaats von Wilhelm V, Herzog von Jülich-Kleve-Berg, ist als gewalttätig und jähzornig bekannt. Kein Wunder, dass Jolanda der bevorstehenden Heirat nicht vor Freude jauchzend entgegensieht. Um ihr Schicksal zu wenden, ist sie ins Damenstift nach Gerresheim geritten, um vor der Muttergottes um Hilfe zu beten. Doncersbosch soll von seinem Eheversprechen zurücktreten, so ihre Hoffnung. Hatte sie zuvor noch vor der Muttergottes darum gebetet, dass der Kelch der Hochzeit an ihr vorübergehe, folgt die Reaktion auf ihre Gebete auf dem Fuße. Eine der jungen Kanonissen entdeckt einen Mann im Garten, unter dem blühenden Kornelkirschbaum. Ein Mann im Klostergarten, skandalös genug, allein dieser Mann war zweifellos tot. Und als Jolanda erkennt, um wen es sich bei dem Mann handelt, erschrickt sie dann doch. »Sie hatte eine Lösung ihrer Probleme finden wollen. Was sie jedoch gefunden hatte, war Doncerbosch. Er lag im Dreck, dort, wohin sie ihn im Geheimen gewünscht hatte. Und …

Der nasse Fisch – Comic

Ich-Erzähler und ›voice over‹ – Vor mittlerweile zehn Jahren erschien Volker Kutschers historischer Kriminalroman »Der nasse Fisch« im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Hauptfigur ist der eigenwillige Kommissar Gereon Rath, der im Berlin der ausgehenden Weimarer Republik ermittelt. Raths erster Fall bildete den Auftakt zu einer erfolgreichen Reihe. Mit »Lunapark« ist just der sechste Fall erschienen. Arne Jysch ist Storyboardzeichner, Animator und Drehbuchautor. 2014 erschien im Carlsen Verlag seine Graphic Novel »Wave and Smile«, in dem er den deutschen Afghanistan-Einsatz in den Fokus rückte. Als er vor ein paar Jahren die Romane Kutschers entdeckte, wollte er sofort den ersten Band der Reihe für einen Comic zu adaptieren. Und Jysch hatte Glück. Kutscher gab sein Einverständnis – er selbst ist ein großer Comicfan – und ließ Jysch sogar komplett freie Hand, denn er bestand noch nicht einmal darauf das »Drehbuch« zum Comic selbst zu schreiben. Die Verantwortung des Projektes lag ganz bei Jysch. Vier Jahre hat er an der Adaption des Krimis gearbeitet, an einer stimmigen Reduzierung der Geschichte gefeilt, ohne den Plot zu sehr zu verändern. …

Das Fundament der Ewigkeit

Von Kingsbridge in die weite Welt – Der neue Kingsbridge-Roman von Ken Follett ließ lange auf sich warten, nun liegt er seit einiger Zeit vor und wartet mit über tausend Seiten auf. Es ist ja auch eine ansehnliche Zeitspanne, die Follett in seinem neusten Roman bearbeitet: das Elisabethanische Zeitalter. So beginnt der Roman denn auch mit den Ränken um die Thronbesteigung der protestantischen Elisabeth, die ihre Rechte gegenüber der katholischen Maria Stuart durchsetzen kann. Der Roman beginnt prall und farbenfroh, gern folgt man dem Schicksal des Helden Ned Willart und seiner Mutter, Alice, die nach dem Tod ihres Mannes das Kaufmannsgeschäft sehr erfolgreich fortführt. Alice ist voll guter Ideen, die ihr Geschäft vorantreiben und sie zu einem angesehenen und anerkannten Mitglied der Gesellschaft werden ließ. Doch Wohlstand und Erfolg haben stets ihren Preis, sie rufen Neider auf den Plan. So nimmt das Schicksal seinen Lauf: die Familie Willart verarmt, der Sohn Ned gelangt aber durch Beziehungen an die Seite von Elisabeth, wo er fortan in unverbrüchlicher Treue ausharren wird, durch alle Höhen und Tiefen, ihre …

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Empfehle sofortige Heimkehr – Polemos! – Leutnant Stern, damals noch einfach »Edgar Stern« erfährt an der belgischen Küste vom Krieg. Er ist Journalist und genießt die Ferien am Stand. Unerwartet beendet ein Telegramm das Idyll: Sein Vater schickt ihm die Botschaft, Polemos – Krieg! – und Stern bricht die Sommerfrische sofort ab. Als Offizier im 1. Westfälischen Pionier-Bataillon Nr. 7 hat er fortan die Aufgabe, am rechten Rheinufer eine zweite Auffanglinie vorzubereiten. Eine Aufgabe, die den Intellekt des jungen Offziers Stern nicht ausreichend fordert. Zumal er den Sinn der Auseinandersetzung nicht begreift. »Zu viele Gemeinsamkeiten gab es zwischen Deutschland und Frankreich, es war Stern im Zeitalter der Aufklärung, der Maschinen, der industriellen Zusammenarbeit nicht mehr möglich erschienen, dass sich die beiden Länder in einen geradezu mittelalterlich anmutenden Krieg begeben sollten. {S. 26} Während Stern also im heißen August Weinberge umpflügen lässt, um Kabel in wertvolle Schieferböden zu verlegen, vertreibt er sich die Zeit mit Gedankenspielen über den Krieg. »Er nannte es mentale Ertüchtigung« {S. 31} Im speziellen befasste er sich mit der »englischen Frage«: Was …

Ein Job für Delpha

Das Gefühl von Freiheit – Texas, 1973. Delpha Wade sucht einen Job. Das ist erwartungsgemäß keine einfache Sache, denn Delpha ist soeben aus dem Gefängnis entlassen worden. Vierzehn Jahre hat sie gesessen. »Das schloss Scheckfälschung, Betrug, den Griff in die Kasse und Drogenbesitz aus«, denkt Tom Phelan, der Privatdetektiv, als sie sich bei ihm um eine Sekretärinnenstelle bewirbt und ist ein wenig beunruhigt. Aber ihr Bewährungshelfer ist sein Kumpel Joe Ford, und Tom ist ihm noch einen Gefallen schuldig. In Joes Augen zumindest. Tom Phelan erweist sich zwar als ziemlich hartgesottener Detektiv, doch ausgestattet mit einem weichen Herzen. Und so gibt er Delpha eine Chance. Zwangsläufig. Phelan ist noch neu im Geschäft. Er arbeitete auf einer Bohrinsel, verlor einen Finger und hat sich jetzt als Privatdetektiv niedergelassen. Dies ist seine Rückkehr aus der Abgeschiedenheit einer rauen Männerwelt in das wirkliche Leben. Das Geschäft läuft noch nicht wie gewünscht, dem soll aber eine großflächige Werbeanzeige in der örtlichen Tageszeitung abhelfen. Und tatsächlich, mitten in das Bewerbungsgespräch mit Delpha Wade platzt eine Mandantin, und Delpha kann sofort …

Grimms Morde

Grimms Morde – Üblicherweise kennen wir Tanja Kinkel von ihren fulminanten historischen Romanen, wobei sie sich nie auf eine Epoche festlegt, sondern sich souverän zwischen Antike und der Jetztzeit bewegt und so die Leser stets aufs neue überrascht. In Grimms Morde verknüpft Tanja Kinkel den historischen mit dem Kriminalroman. Einem Genre, in dem sich die Autorin, wenn ich es recht überblicke, eher selten bewegt. Die Brüder Grimm, um die geht es natürlich. Wenn man den Titel gelesen hat ist das keine Überraschung. Und die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm mit Mord und Totschlag in Verbindung zu bringen, ist ebenfalls keine Kunst, wenn man die blutrünstigen Kinder- und Hausmärchen bedenkt, in denen ja literweise Blut vergossen wird und Menschen mitunter auf grausige Weise vom Leben zum Tode befördert werden. Genau diese Märchensammlung wird den Grimms zum Verhängnis, in dem Moment nämlich, als die Freiin von Bachros tot aufgefunden wird. Die Freiin ist ja nicht irgendein Mordopfer, nicht irgendeine Adlige, sondern die ehemalige Mätresse des alten, just verstorbenen Kurfürsten von Hessen-Kassel. Und sie ist auch nicht einfach …

Die Hüterin des Templerschatzes

Dem Tempelschatz auf der Spur – In ihrem neuen Roman befasst sich »Sabine Martin« – bekanntermaßen verbirgt sich hinter dem Namen das beliebte Autorenduo Sabine Klewe und Martin Conrath – mit dem Templerorden. Templer! Allein der Name erzeugt schon abenteuerliche Vorstellungen. Jeder hat von ihnen gehört, jeder verbindet damit mehr oder weniger spannende Geschichten von Rittern, und blutigen Schlachten unter der brennenden Sonne des Heiligen Landes. Das Thema ist schließlich nicht ohne Grund bei Schriftstellern beliebt, viele historische Romane beschäftigen sich mit den kampflustigen Brüdern, deren Orden gegründet wurde, um die Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land zu schützen. Ihre hehren Ideale bringen viel Ruhm und Ehre mit sich, damit einher gehen aber auch Neid und Missgunst – wie stets bei erfolgreichen Akteuren in der Weltgeschichte. Und die Templer waren sehr erfolgreich. Sie verfügten zuletzt über ein schier unermessliches Vermögen. Obwohl Ruhm und Ehre allein schon genügen würden, um Neider auf den Plan zu rufen, so gelingt dies materiellen Gütern allemal. Erst recht, wenn der Reichtum legendär ist wie der ihre. Abgesehen vom sagenhaften …

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Eine kurze Geschichte der Menschheit – Geschichte der Menschheit« in Verbindung mit dem Adjektiv ›kurz‹ scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Auch wenn das Buch von Yuval Noah Harari stattliche 526 Seiten umfasst, so kann es naturgemäß nur einen Abriss der wesentlichen Entwicklungssprünge aufzeigen, die die Menschwerdung und das Menschsein im Laufe der Geschichte – vom Affen bis zum Homo sapiens – innerhalb immerhin rund 70.000 Jahren vollzogen hat. Und welche Revolutionen uns zu dem machten, was wir heute sind. Harari geht dabei von vier Revolutionen aus, die den Menschen formten. Dabei schafft die erste die Basis für alle weiteren Errungenschaften. Harari nennt sie die »kognitive Revolution«. Das heißt nichts anderes, als die Entdeckung der Kommunikation. Also nicht allein einer Sprache, die dazu dient, Informationen auszutauschen – das können Tiere genauso gut – nämlich zum Beispiel vor Gefahren zu warnen oder mitzuteilen, wo die besten Futterplätze sind. Es könnte sein, dass es dem Menschen nicht darum ging, sich über »Löwen und Büffel zu unterhalten, sondern vielmehr über seine Artgenossen, so eine der von vielen …