Buchbesprechung: Ich, Maximilian, Kaiser der Welt

Buchbesprechung: Peter Prange – »Ich, Maximilian, Kaiser der Welt«

»Die Welt ist ein Theater.«

Gelesen & Notiert von Alessa Schmelzer


»Ich, Maximilian, Kaiser der Welt«
Peter Prange

Im Mittelalter verwurzelt, stößt er das Tor zur Renaissance auf: Maximilian I. von Habsburg – letzter Ritter des Abendlands, erster Kaiser der Neuzeit. Mitreißend schildert Bestseller-Autor Peter Prange den Mann, dessen Ideen und Taten Europa bis heute prägen und der doch ein Zerrissener ist – in der Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Frauen und im Zwiespalt zwischen Macht und Leidenschaft.
Er wird einmal über halb Europa herrschen – doch als er seiner Lebensliebe Rosina von Kraig begegnet, ist er noch ein »Bettelprinz«, der sich am verarmten Wiener Kaiserhof nach Ruhm und Ehre sehnt. Angetrieben von seiner Idee, das alte römisch-deutsche Kaiserreich wiederaufzurichten, wirbt er um Maria, die Erbin von Burgund. Fortan wird er ein Zerrissener sein in der Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Frauen und im Zwiespalt zwischen Kalkül und Gefühl. Als Herrscher stößt er in seinem Reich das Tor zur Neuzeit auf – aber um welchen Preis? Die dramatische Lebensgeschichte des Tat- und Prachtmenschen, des Liebhabers und Kunstfreundes Maximilian erzählt Erfolgsautor Peter Prange ebenso sachkundig wie mitreißend.
Leseprobe
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Sein Reich erstreckte sich von Ungarn über Italien bis Lothringen und Süddeutschland. Maximilian I. von Habsburg hielt unter größter Kraftanstrengung und eisernem Willen zusammen. ›Maxl‹ – wie Rosina von Kraig ihren Liebsten im Roman zärtlich nennt – war ein durch und durch ungewöhnlicher Mann. Er lebte in einer überaus spannenden Zeit. Wir bezeichnen sie heute als die Umbruchszeit von Mittelalter zur Renaissance. Christoph Kolumbus und Alonso de Ojeda entdeckten neue Gebiete jenseits des Meeres und erschlossen ihren Heimatländern mit Amerika und Südamerika vollkommen neue Märkte. Es war der Beginn einer neuen Epoche. Während auf den Kriegsschauplätzen der bekannten Welt Kanonen die einstmals so heldenmütigen Ritter verdrängten, hielt Maximilian unbeirrt an alten Traditionen fest. Er organisierte weiterhin Ritterturniere – und war selbst immer mittendrin. Nicht zuletzt deshalb verlieh man ihm im 19. Jahrhundert den Ehrentitel »der letzte Ritter«. Auf der anderen Seite reizte ihn das Neue, das Andere, die Veränderung. Der Habsburger war ein unermüdlicher, ein kraftvoller Herrscher. Einer, der wie Karl der Große oder Otto I. sein Reich vom Sattel aus regierte.

Ein rasanter Ritt durch ein Stück Habsburger Geschichte

Prange zäumt die Geschichte des Habsburgers von hinten auf. Gleich zu Beginn, im Prolog lässt er seinen mutigen Helden sterben. Maximilian I. ist zu diesem Zeitpunkt sechzig Jahre alt. Krank, ausgelaugt. Kurz: vom Leben erschöpft. Wie praktisch, dass er seit vier Jahren seinen Sarg mit sich führt. Allzeit bereit sich auf die letzte Ruhestatt zu betten und für immer einzuschlafen. Am 12. Januar 1519, auf einer mehr als beschwerlichen Reise von Innsbruck nach Linz, ist es soweit. Einfühlsam erzählt Prange das Ende seines Helden wie es sich vielleicht wirklich abgespielt hat. In der Burg von Wels verlangt er nach seinem Leichenhemd, kleidet sich mit letzter Kraft an und bettet seinen Körper eigenständig in den Sarg. Seine letzten Worte kommen ihm schwer über die Lippen. »Mein Leichnam soll nicht gesalbt werden. […] Stattdessen lasst mir die Zähne herausbrechen, meinen Schädel kahl rasieren und meinen Leib geißeln, als Sühne und Strafe für mein Leben.« Ein Wunsch, der bei den Lesern sowohl Befremden als auch Neugier auslösen mag. Kaum hat Maximilian seinen letzten Atemzug getan, lernt der Leser ihn auch schon auf den nächsten Seiten als sechzehnjährigen Heißsporn kennen … Alsdann: mögen die Spiele beginnen!

»Das Leben eines Menschen ist zu kurz, um das Leben dieses Mannes zu fassen«, zitiert Peter Prange Professor Hermann Wiesflecker. Der muss es wissen, hat er doch unzählige wissenschaftliche Bücher, Artikel und Aufsätze zum prominenten Habsburger publiziert. Prange hält sich daran. In »Ich, Maximilian, Kaiser der Welt« konzentriert sich der Autor ganz auf die Kaiserwerdung. Das hört sich reduziert an, ist es mitnichten. Denn schon der sechzehnjährige Maximilian hat mit der Gestaltung seines Lebens bereits ›alle Hände voll zu tun‹. Und dieser Aktionsradius bezieht sich nicht allein auf Rosina von Kraigs wohlgeformten Körper …

Der letzte Ritter

Wie wurde aus dem Heißsporn jener geachtete Renaissancefürst, den man später in Maximilian sah? Prange liefert eine wohl komponierte, dabei spannende und mit etlichen Wendungen aufwartende Geschichte. Das Ideal des Ritterlichen durchdringt den Jungen schon als Knaben. Er möchte sein wie einer der ritterlichen Helden, von dem seine Mutter ihm erzählte. Der Vater, ein Geizhals und Spielverderber, hält seinen Sohn hingegen zu Gehorsam an. Maximilian, sechzehnjährig, will aber erst einmal nur eines: Turniere bestreiten und gewinnen. Die schöne Rosina von Kraig, die Kammerzofe seiner Schwester, verliebt sich in den hochgewachsenen jungen Mann. Er verliebt sich in sie. Eine eheliche Verbindung zu ihr ist aber weder standesgemäß noch erstrebenswert – Rosina von Kraig ist mittellos. Zudem – der historisch versierte wird es wissen – hat Maximilian I. ein Auge auf Marie von Burgund geworfen. Eine zunächst aus politischem Kalkül arrangierte Ehe. Denn Marie ist die ebenso schöne wie kluge Tochter Karls des Kühnen. Mit ihr als Ehefrau könnte sein Traum vom römisch-deutschen Kaiserreich Wirklichkeit werden. Dass sich Rosinas Maxl rettungslos in diese ›Intellektuelle‹ verliebt, war nicht vorgesehen. Damit beginnt ein emotionaler Spießrutenlauf, denn Maximilian will weder auf die leidenschaftliche Liebe zu Rosina, noch auf die zarte und sein Inneres aufwühlende Liebe zu Marie verzichten. Letztere weckt in ›ihrem‹ Maximilian im Übrigen die Liebe zum gedruckten Wort – und öffnet seinen Geist somit für die Künste und die Wissenschaft, die er fortan zeitlebens förderte.

Erzählerisch dicht, mitreißend, spannungsvoll und temporeich erzählt Prange Maximilians Geschichte. Sie hat alles, was einen Roman zum Genuss macht: eine authentische Figurenzeichnung, plausible Erklärungen für etwaige Motivationen handelnder Figuren, handfeste Intrigen und Konflikte aller Art so weit das Auge reicht. Auf jeder Seite fiebert der Leser mit Maxl, Rosina und Marie mit und taucht dabei vollkommen ein in deren Welt. Wie geschickt Prange die Entführung gelingt, zeigt sich vielleicht daran, dass ich manches Mal mein historisches Wissen über Bord warf {so bei Marie} und inständig hoffte, es möge doch bitte, bitte alles ganz anders kommen …

Fazit:

Mit »Ich, Maximilian, Kaiser der Welt« beweist Peter Prange einmal mehr, warum er zu den besten Autoren des Landes zählt: Die Geschichten mögen auf der Straße liegen und die Autoren sich nur nach ihnen bücken müssen. Doch eben diese Geschichten so zu erzählen, dass sie zum echten Erlebnis werden, das lange in den eigenen Gedanken nachwirkt, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Zurück an den Schreibtisch, werter Herr Prange. Wir wollen mehr davon!