Die sieben Temper

Eine üppige Geschichte …

Buchbesprechung: Guido Dieckmann »Die sieben Templer«

Gelesen & Notiert von Ilka Stitz


Guido Dieckmann
»Die sieben Templer«

Ein Mysterium, das die Welt verändern könnte

Der Tempelritter Thomas Lermond hat die Vernichtung seines Ordens überlebt und hütet seitdem mit sieben Vertrauten ein Geheimnis, das um keinen Preis in die falschen Hände geraten darf. Im Jahr 1314 jedoch ist ihr Vermächtnis in Gefahr, und Lermond schickt eilig Boten aus, um die mittlerweile über halb Europa verstreuten Templer zusammenzurufen. Deren Reise nach Berlin wird schnell zu einem Alptraum. Ein Gesandter der Inquisition folgt ihrer Spur, besessen davon, die letzten Templer zur Strecke zu bringen. Am Ende erreichen nur sechs der Männer sowie eine junge Frau den abgelegenen Tempelhof – wo ihre Widersacher sie schon erwarten.

Weitere Informationen auf der Website des Verlags.

Sieben Templer sind es, die den bzw. die Schlüssel für einen geheimen Schatz hüten. Einen Schatz, hinter dem sich ein Mysterium verbirgt, das die Welt verändern könnte. So verheißt es der Klappentext.

Wir schreiben das Jahr 1314. Zwei Jahre zuvor, am 22. März 1312 löste Papst Clemens V. den Orden der Armen Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem auf dem Konzil von Vienne auf. Er beugte sich damit dem Druck des französischen Königs Philipp IV.
Zwei Jahre sitzt der Großmeister Jacques de Molay in Paris in Haft, schließlich wird er am 18. März 1314 zusammen mit seinem Ordensbruder Geoffroy de Charnay auf dem Scheiterhaufen in Paris verbrannt.
Das Mysterium, das den Orden der Templer gerade wegen seines dramatischen Schicksals umgibt, ist bis heute lebendig geblieben. Und mit ihm die Legende um den Templerschatz, dessen Natur und Verbleib schon einige Autoren beschäftigt hat, die mit ihren Ideen gleichermaßen Sachbücher wie Romane füllten. Auch Guido Dieckmann widmet sich in seinem Buch diesem Thema.

Tempelritter in Berlin

1314 nun ist das Jahr, in dem er seine Geschichte beginnt. Der in einer ehemaligen Templer-Komturei Tempelhof bei Berlin im Verborgenen lebende Ritter Thomas Lermond schickt Boten in die Welt, um die sieben Brüder zusammenzurufen, die vor sieben Jahren schworen, das Geheimnis des Ordens zu hüten und zu schützen. Damals waren sie gemeinsam aus Paris in den Osten geflohen. Im Tempelhof brachten sie den Schatz in Sicherheit, dann zog ein jeder von ihnen in einen anderen Teil der Welt.
Jetzt, sieben Jahre später, ist der Schatz nicht länger sicher, doch nur gemeinsam können die Ritter ihn retten.
Natürlich wird es nicht leicht sein, die Ritter zu finden. Sind sie überhaupt noch am Leben? Und wenn ja, fühlen sie sich ihres einstigen Schwurs noch verpflichtet? Thomas Lermond kann nur hoffen und derweil versuchen, sein eigenes Leben zu retten. Denn ihn bedroht die Inquisition in Person des Adam von Pirrlingen. Ein Geistlicher, dem keine Intrige zu gemein ist, um seiner Berufung, der Wahrung des reinen Glaubens, zu folgen. Und natürlich den Schatz der Templer heim in den Schoß der Kirche zu führen.
Der erste Ritter, dem wir im ersten Teil des Romans unser Augenmerk schenken, weilt in Erfurt. Wir folgen dem Boten Primus gern auf seiner Suche nach dem Mann, den er zwar nicht persönlich kennt, aber erkennen wird. Nur ihm allein soll er die Münze – das Notzeichen, das die Templer zurück zum Tempelhof ruft – überbringen.

Im zweiten Teil des Buches führt Dieckmann den Leser auf der Fährte des zweiten Templers zunächst nach Speyer, zu der jüdischen Ärztin Prisca. Dem Leser bietet sich ein kurzweiliges Intermezzo im jüdischen Viertel, auf der Spur des Geheimnisses, das Prisca hütet. Und das natürlich auch mit einem der gesuchten Tempelritter zu tun hat. Auch die Suche des ersten Boten wird in diesem Teil weitergeführt, wie auch die Auseinandersetzungen Lermonds mit Adam von Pirrlingen.

Der dritte Teil führt uns nach Paris und stellt uns ohne große Umstände den Tempelritter Baudouin Lavalle, ein Meister der Maskerade und Verstellung vor. Außerdem lernen wir Marie kennen, eine Hofdame und Informantin Baudouins, die er heiß verehrt, die aber dem Ritter Lermond verbunden ist. Und da ist natürlich noch der undurchsichtige Gaston …

Im vierten Teil gerät der Leser in Schottland in die Auseinandersetzung des Königs Robert Bruce mit dem englischen König, in die auch der Templer Rémy St. Clair hineingezogen wird. Der bevorstehende Kampf könnte seine Rückkehr zum Tempelhof verhindern.

Im fünften Teil, man ahnt es schon, trifft der Leser auf den fünften Ritter. Und der Leser erinnert sich, dass das Buch »Die sieben Templer« heißt …

Sieben Templer und eine Äbtissin

Nein, ganz so viel mutet Dieckmann seinem Leser dann doch nicht zu, obgleich ich mich streckenweise an das Kinderspiel: Ich packe meinen Koffer und nehme mit … erinnert fühlte. Jeder der sieben Ritter erhält in dem Roman viel Raum, einem jeden begleiten noch eine Reihe Nebenfiguren, die ihrerseits interessante Charaktere sind. Ja, ein jeder Ritter hätte eigentlich einen eigenen Roman verdient, denn gelegentlich habe ich als Leser den Überblick verloren und Personen gerieten auch schon einmal in Vergessenheit und tauchten überraschend gute hundert Seiten später erst wieder auf.
Mir stellte sich die Frage: Mussten es denn unbedingt sieben Templer sein? Hätten es drei nicht auch getan, deren Schicksal leichter zu folgen gewesen wäre? Und zu denen man eine engere Beziehung hätte aufbauen können. Vielleicht ist es mir entgangen, aber nirgendwo wird erwähnt, dass diese Zahl sieben von irgendeiner Bedeutung für die Geschichte ist. Sie haben jedenfalls keine Aufgabe, die drei Ritter nicht ebenso gut hätten erledigen können. Zumal Dieckmann die begonnene Struktur – ein neuer Teil, ein neuer Ritter – am Ende dann doch durchbricht. Was ich wiederum sehr schade finde. Dass ich den Roman trotzdem zu Ende gelesen habe, und dies sogar sehr gern, liegt einfach daran, dass der Roman sehr gut geschrieben ist. Dieckmanns Sprache zieht den Leser sofort in die Geschichte und er erinnert sich letztlich doch an jede der zahlreichen Figuren. Gelegentlich indes scheint es, als wäre Guido Dieckmann sich über den Charakter der ein oder anderen Nebenfigur selbst nicht ganz klar gewesen. Unsicher oder selbstbewusst, das fragte ich mich zum Beispiel bei der Äbtissin Gertrud, die auf der einen Seite eine dynamische, durchsetzungskräftige Person ist, die auch die Auseinandersetzung mit dem Bischof nicht scheut und sogar Ketzer verteidigt, andererseits jedoch von Ängstlichkeit, Unsicherheit und Selbstzweifeln heimgesucht wird. Nun, sei es, wahrscheinlich sind in einem jeden Menschen diese beiden Seiten mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden.

Fazit

»Die sieben Templer« bietet einen überbordenden Plot, der dem Leser einiges an Orientierungsstärke und Gedächtnisleistung abverlangt. Dank Guido Dieckmanns mitreißender und farbenprächtiger Erzählweise folgt man ihm aber gern an der Seite seiner vielen Helden durch Europa, um die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Templer kennenzulernen und ihr Schicksal zu teilen. Und genau darum geht es bei den »Sieben Tempelrittern«: Um den abenteuerlichen Weg, den ein jeder Ritter für sich zurückzulegen hat. Das geheimnisvolle Mysterium selbst spielt dann am Ende nur eine untergeordnete Rolle.