Kultur in Zeiten der aktuellen Pandemie – Tanja Kinkel

Auch im Jahr 2021 werden gerade Kulturschaffende die Auswirkungen der Pandemie spüren. Seit vielen Wochen finden keine Lesungen statt, sind Theater und Kinos geschlossen, gibt es weder Konzerte noch Festivals …
Wir wollten daher wissen: Wie erleben Schriftsteller*innen die aktuelle Zeit? Wie gehen sie mit dieser außergewöhnlichen Situation um? Wir haben u.a. Heidi Rehn und Peter Prange zu ihren Eindrücken befragt. In diesem Neujahrs Special meldet sich in den kommenden Tagen jeweils ein*e Schriftsteller*in zu Wort.

autorin tanja kinkel
Die Autorin Tanja Kinkel
© FinePic, München

Die Schriftstellerin Tanja Kinkel

Histo Journal: Wie erleben Sie als Schriftstellerin diese Zeit?

Tanja Kinkel: Als Erfüllung des chinesischen Fluches »Mögest Du in interessanten Zeiten leben!« Mit ein klein wenig Deja Vue. Ich hatte vor etwas weniger als zwei Jahrzehnten einen Roman geschrieben, »Götterdämmerung«, in dem es schließlich zu einer Pandemie durch einen Virus kommt. So genau wollte ich eigentlich nicht herausfinden, wie sich das in der Realität abspielt!

Histo Journal: Ausbleibende Lesungseinnahmen sowie z.B. das Absagen der Frankfurter und der Leipziger Buchmessen belasten eine ganze Branche. Was müssen Autor*innen jetzt tun, um ihre Existenz zu sichern?

Tanja Kinkel: Anträge auf Unterstützung stellen, ist sicher ein Weg. Ich habe das letzte Jahr auch genutzt, um einen neuen Roman zu verfassen und Treatments für weitere auszuarbeiten, aber anders, als in der vor-Pandemie-Zeit, weiß ich noch nicht, wann was erscheinen wird. Treffen mit anderen Autoren oder Verlagsangehörigen können nur per Zoom stattfinden, was zwar besser als nichts, aber einfach nicht dasselbe ist, weswegen ich derzeit auf Spaziergänge {natürlich mit sicherem Abstand} setze, wenn man in der gleichen Stadt ist. Einige meiner Autorenkollegen, die gleichzeitig Lehrer oder Unidozenten sind, leben derzeit fast nur davon {wenn auch gefährdet}, aber viele von uns haben diese Möglichkeit nicht. Auch über die bisherigen Grenzen zu schauen, kann helfen. Ideen für Drehbücher, Kontakte zu Schauspiel und Theater aktivieren, jetzt ist die Zeit für neue Ideen. {Ich selbst bin gelegentlich Gastdozentin an Universitäten und Hochschulen, aber auch hier mussten mehrere der Engagements gecancelt werden, vorläufig.}

Histo Journal: Angesichts des vergangenen Teil-Lockdowns und aktuellen Lockdowns – Welche Auswirkungen auf die Kulturbranche befürchten Sie angesichts dieser neuerlichen Beschränkungen und Einschränkungen?

Tanja Kinkel: Eine große Verarmung in der Theater- und Kabarett-Szene im nächsten Jahrzehnt, um von den Problemen für die Musiker ganz zu schweigen. Ich bin im Beirat der Freunde der Bamberger Symphoniker, und schon für unser staatlich unterstütztes Orchester, das eines der besten und populärsten weltweit ist, wurde es hart. Für unabhängige Musiker und kleine Theater dürfte es bald unmöglich sein, weiter ohne Auftrittsmöglichkeiten zu existieren und ob Veranstalter und all die Hilfskräfte dahinter das überleben, ist zu bezweifeln. Ich kann nur hoffen, dass hier Lösungen gefunden werden, denn Kunst und Künstler, wie aber auch die Menschen die unverzichtbar hinter uns stehen, sind kein Luxus, sie gehören zur Seele jeder Gesellschaft.

Dr. Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, studierte Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und erhielt diverse Literaturpreise, Stipendien in Rom, Los Angeles und an der Drehbuchwerkstatt in München; zuletzt Turmschreiberin in Abenberg. Sie ist Mitglied im Deutschen PEN, Präsidentin der Internationalen Feuchtwanger Gesellschaft Los Angeles, Beirat der Freunde der Bamberger Symphoniker, Gastdozentin an Hochschulen und Universitäten im In- und Ausland. Sie schreibt in Anthologien, fertigt Dramolette und schrieb bis 2020 zwanzig Romane, die in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt sind, mit einer weltweiten Gesamtauflage von über sieben Millionen Exemplaren. Tanja Kinkel ist Schirmherrin des Bundesverbandes Kinderhospiz. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation »Brot und Bücher e.V.«

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Aktueller Roman
Grimms Morde
Der neue historische Roman der Spiegel-Bestseller-Autorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie: Aus Grimms Märchen werden Grimms Morde: Die Mätresse des hessischen Kurfürsten wird bestialisch ermordet, und die einzigen von der Polizei vorgefundenen Hinweise führen zu den Brüdern Grimm und zu den Schwestern von Droste zu Hülshoff. Nur die Zusammenarbeit der ungleichen Geschwisterpaare kann die Wahrheit über Morde und Märchen an den Tag bringen. In einer Zeit, wo die Errungenschaften der Freiheitskriege verloren gehen, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten, müssen die vier sich den Verwicklungen der Vergangenheit stellen, um die Rätsel der Gegenwart zu lösen.

Tanja Kinkel im Histo Journal:

Buchbesprechung
Grimms Morde

Hörbuch Rezension
Grimms Morde

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Freitag, 15. Januar: Die Beinert Schwestern