Die geheimen Schwestern

Hörbuch Rezension: »Die geheimen Schwestern«

Gehört & notiert von Alessa Schmelzer

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»Die geheimen Schwestern«

Autor: Anne Fortier
Sprecher: Tanja Fornaro, Suzanne von Borsody, Jacob Weigert
Fassung: ungekürzt
Übersetzerin: Annette Hahn
Laufzeit: ca. 22 Stunden und 11 Minuten
Verlag: Der Hörverlag

Das Digifile enthält zwei mp3-CDs, Kurzbiografien zur Autorin sowie zu den Sprechern Suzanne von Borsody, Tanja Fornaro und Jacob Weigert. Im Innenteil findet sich zudem eine komplette Auflistung der Kapitel.

Inhalt:
Auf der Spur der Amazonen, auf der Suche nach dem Schatz von Troja – Was, wenn die Legende wahr wäre?
Bei Grabungen in der Wüste stößt Diana Morgan auf die Spur der ersten Königin der Amazonen, Myrina. Um ihre Kriegerinnen zu befreien, stürzte Myrina sich einst mitten in den berühmtesten Konflikt der Antike – den Trojanischen Krieg. Fasziniert macht sich Diana mit Nick Barrán, dem zwielichtigen Leiter der Grabung, auf die Suche nach dem legendären Schatz, den die Amazonen beim Fall von Troja retten konnten. Ohne zu wissen, ob sie Nick trauen kann, folgt Diana der Spur der Amazonen von der Ägäis über Deutschland bis an den Rand der Welt – eine Reise, die ihr Leben für immer verändern wird.

»Bedenke, dass auch Frauen nicht zu schwach sind einen Schlag zu führen.« Sophokles, Electra

›A‹ wie Amazone

In der Antike zweifelte niemand an der Existenz von Amazonen. Heute hingegen wird in der historisch-archäologischen Forschung verzweifelt nach einem stichhaltigen Beweis für ihre Existenz gesucht. Ein Dilemma. Nicht einmal der Ursprung des Namens ›Amazone‹ ist bislang weder historisch noch etymologisch zu fassen. Nur eines ist klar: Den Amazonenmythos kennt jedes Kind. Vielleicht denken Sie an die Ilias von Homer, an Angelina Jolie als Tomb Raider oder an Johanna von Orléans. Gleichviel. Anne Fortier erzählt ihren Hörern in »Die geheimen Schwestern« eine vollkommen neue Variante der Geschichte über die Amazonen und entwirft so ganz nebenbei ein komplett anderes Bild des Trojanischen Krieges. Fortier liefert uns mit ihrem Roman quasi die Ilias 2.0 …

»Die Amazonen werden dich gern auf deinem Weg geleiten.« Aischylos, Prometheus

Die Handlung des Romans bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Eine ihrer Hauptfiguren heißt Diana Morgan, lebt in unserer Zeit, lehrt klassische Philologie in Oxford und hat ein ausgeprägtes Faible für Amazonen. Letzteres ist es auch, was sie zu einer Ausgrabungsstätte nach Nordafrika lockt, obwohl das Drumherum ihr dubios vorkommt. Doch das Foto einer Inschrift auf einer altertümlichen Wand und der Satz: »Wir haben den Beweis gefunden, dass die Amazonen tatsächlich existierten, verstehen Sie?«, reichen aus – Morgan ist elektrisiert. Nur wenige Stunden später steht sie vor besagter Inschrift in einem jahrtausendealten Tempel. Die Entzifferung gelingt Morgan mithilfe eines selbstverfassten Büchleins ihrer Großmutter. Einer starken und von Ärzten als verrückt abgestempelten Frau, die sich ihrer Enkelin als gewesene Amazone präsentiert und ihr nicht nur das Büchlein schenkt. Bruchstückhaft erfährt Diana aus der Inschrift von einem Überfall auf den Tempel. Mehrere Priesterinnen wurden von weißen Männern verschleppt. Die Zurückgebliebenen machten sich auf ihre Schwestern zu befreien. Undeutlich spürt Diana, dass sie der damaligen Route der Priesterinnen folgen muss … erst in der bronzezeitlichen Zeitebene erfährt der Hörer mehr über den Überfall und jene kriegerisch gesinnte Myrina, die ihre Mitschwestern mutig antreibt die Verschleppten zu befreien. Geschickt verwebt Fortier die Handlungen beider Zeitebenen miteinander. Der stete Wechsel zwischen Dianas und Myrinas Welt erzeugt jede Menge Spannung, die Cliffhanger erledigen den Rest …

Stimmenglück

Manchmal haben wir Hörerinnen und Hörer einfach Glück. Das ist bei »Die geheimen Schwestern« der Fall. ›Der Hörverlag‹ verpflichtete mit den Sprecherinnen Tanja Fornaro und Suzanne von Borsody allerdings auch keine Frischlinge. Suzanne von Borsodys Stimme verschmilzt mit Myrina und ihrer antiken, geheimnisvollen Welt zu einer einzigen Einheit. Ihre Stimme ist ungemein facettenreich. So bestimmen feine Nuancen über Freude, Trauer, Mut oder Verletzlichkeit. Es ist eine wahre Freude ihr zuzuhören. Tanja Fornaros vergleichsweise junge, frische Stimme passt dagegen hervorragend zur Figur der Diana Morgan, die den Typ ›neugierige, mutige und sympathische Akademikerin, mit der man Pferde stehlen kann‹ verkörpert. Beide Sprecherinnen beherrschen ihr Instrument und nehmen ihre Hörer daher auch sofort gefangen. Man kann gar nicht anders als förmlich an ihren Lippen hängen.

Fazit:

Anne Fortier liefert mit »Die geheimen Schwestern« eine ebenso spannende wie erfrischend unkonventionelle Neuinterpretation des Trojanischen Krieges. Dabei bleibt sie absolut glaubwürdig, weil logisch konstruiert. Diese Geschichte hat alles: Abenteuer, Liebe und Intrige. Das alles gewürzt mit einem gehörigen Schuss Mythologie.
Mit der gelungenen Besetzung der Sprecherinnen – Tanja Fornaro und Suzanne von Borsody – hat der ›Der Hörverlag‹ bei diesem Fortier Roman nun alles richtig gemacht. Fornaro und von Borsody verkörpern die jeweiligen Figuren nahezu perfekt und bieten somit über 22 Stunden Hörgenuss auf allerhöchstem Niveau. »Die geheimen Schwestern« will man einfach wieder und wieder und wieder hören.

Auf der Website des Hörverlags finden sich weitere Informationen sowie eine Hörprobe.

Lesen Sie auch die Histo Journal Buchbesprechung zu »Die geheimen Schwestern« von Ilka Stitz.