Monika Pfundmeier – Die Blutföhre

Kurz & Knapp: Monika Pfundmeier »Blutföhre«

Gelesen & Notiert von Alessa Schmelzer

cover monika pfundmeier

Inhalt
Im Schloss in Friedberg überdauert ein 800 Jahre alter Baum die Zeit: Die Blutföhre. Sie wächst, wenn großes Unrecht sich ereignet – wie einst im Jahre 1268.
Zu dieser Zeit schlägt ein Raubritter seinen blutigen Pfad durch die Gebiete rund um Friedberg. Er hat es auf den edlen Grafen Ulrich abgesehen, dessen Hochzeit mit der schönen und widerspenstigen Agnes bevorsteht.
Ulrich fürchtet um die Sicherheit seiner Braut. Er bittet seinen Lehnsherrn Ludwig von Wittelsbach um weitere Unterstützung gegen den Raubritter. Eine Meinungsverschiedenheit dazu endet im Streit. Ulrich sieht sich mit einem Mal einem unerwarteten Gegner gegenüber, und die Zeit verrinnt zwischen seinen Fingern.
Der Raubritter kreuzt den Weg seiner Braut, kurz darauf geschieht ein Mord. Ulrich bleibt nur eine Möglichkeit – und nur eine Hoffnung die Kette folgenschwerer Ereignisse zu durchbrechen.

Buchinfo:
Taschenbuch {Books on Demand}
24. April 2017
468 Seiten
EUR 13,90
ISBN: 978-3744802949

Erschienen bei Books on Demand. Eine Leseprobe findet sich
hier.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Autorin.

Am Anfang steht ein Baum

Oder besser, am Anfang wächst ein Baum. Und zwar nicht irgendein Baum, sondern die ›Blutföhre‹. Eine Föhre, die am Rande eines besonderen Platzes steht: dem Richtplatz nahe des Schlosses Friedberg im gleichnamigen Ort in Bayern. Nicht nur der Platz ist besonders, die Föhre selbst ist ungewöhnlich. Glaubt man der Sage, so wächst sie nur dann, sobald Unrecht geschieht. Das geschah offenbar in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Zentrum der Geschehnisse: Graf Ulrich von Mering und seine Verlobte Agnes von Hardenberg. Deren Glück bedrohte ein Raubritter, dem man edle Wurzeln nachsagte. Nach einem Mord ist nichts mehr wie es war. Denn der Mörder sollte, so glaubte man, ausgerechnet Ulrich sein …
Als Viertklässlerin, so ist auf der Website der Autorin zu lesen, hörte sie die Sage von der ›Blutföhre‹ zum ersten Mal. Eine spannende und unheimliche Geschichte – nicht nur für die kindliche Phantasie.

In »Blutföhre« erweckt die Autorin die Sage zu neuem Leben. Geschickt verknüpft sie in ihrem 500 Seiten starken Roman Fiktion und historische Fakten zu einer fesselnden Geschichte, die alles hat, was das Herz eines Lesers höher schlagen lässt: eine spannungsgeladene Story um Liebe, Hass, Intrigen, Mord und Verrat.

»Wenn edles Blut vergossen wird,
Wenn Missgunst gegen Wahrheit steht,
Wenn Stolz und Lug zum Urteil führt,
Die Föhr sich erhebt, nimmer vergeht.«

Ulrich von Mering ist der letzte Sproß einer angesehenen Familie. Der Edelmann ist ein junger Vasall Herzogs Ludwig II., der ›der Strenge‹ genannt wird und der als Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein überall seine Finger mit im Spiel hat und gerne sein ›eigenes Süppchen kocht‹. Auch was das Fortleben der Linie Ulrichs betrifft, hat Ludwig II. deshalb auch schon einen Plan. Er nötigt seinen Vasall kurzerhand in die Ehe mit der schönen Agnes von Hardenberg. Eine arrangierte Ehe, üblich zu jener Zeit, die Eheleute kennen sich nicht. Wenig verwunderlich, dass beide versuchen ein wenig Zeit zu schinden, um die Hochzeit so hinauszuschieben. Wie passend, dass in Ulrichs Gebiet just ein Raubritter sein Unwesen treibt und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Diesen gemeinen Kerl – er soll edlen Geblüts sein – will Ulrich vor der Hochzeit erst noch dingfest machen. Die eingeforderte Unterestützung, immerhin ist Ludwig II. Ulrichs Lehnsherr und somit interessiert an Einkünften, erfolgt.

Agnes von Hardenberg indes ist eine Frau, die ihren eigenen Kopf hat und die mit ihrer zupackenden Art so gar nicht dem Typus einer züchtigen und devoten Edelfrau – und somit den Konventionen der Zeit – entspricht, diesen wohl auch wenig entsprechen möchte. Aber auch sie kann sich dieser Ehe nicht entziehen und muss zur Hochzeit aufbrechen.
Der Raubritter, ein gefallener Edelmann, den ein dunkles Geheimnis um- und antreibt, missgönnt Ulrich von Mering sein Glück. Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem dunklen Ritter, denn seine Familie verlor einst Hab und Gut. Gleichviel, wer daran wirklich die Schuld trägt, in seiner Welt hat nur noch ein Gedanke Platz: Rache. Der Schuldige ist – natürlich: Ulrich von Mering. Ausgerechnet dieser in sich gekehrte und von hehren Idealen angetriebene Mann. Ob er wirklich an der Misere des Raubritters Schuld trägt, spielt für Letzteren kaum eine Rolle. Rache ist das alles bestimmende Gefühl. Und wenn am Ende noch die Hand der schönen Agnes als Siegesprämie winkt, um so besser.

Als schließlich ein Mord geschieht, deutet alles auf Ulrich als Täter hin – und dabei haben Ulrich und Agnes gerade erst zueinander gefunden …

Natürlich ist die Geschichte noch um einiges komplexer, als hier nur kurz umrissen. Nicht nur Ludwig II. verfolgt mit der Hochzeit seine eigenen Ziele, auch die Adlige Cäcilia, ihres Zeichens Hofdame der Herzogin Anna. Die gute Cäcilia ist eine Frau, die stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist, sie ist diejenige, die eifrig die Fäden spinnt und intrigiert.
Die Motivationen und Handlungen der einzelnen Figuren zu verfolgen, ihnen als Leser sozusagen sukzessive – mit jeder neuen Seite – auf die Schliche zu kommen, ist reizvoll und zudem äußerst unterhaltsam.

Extras

Das Buch enthält neben einem Inhaltsverzeichnis – jedes Kapitel trägt eine Überschrift {insgesamt 62 Kapitel, exklusive Prolog und Epilog} – auch ein Personenregister sowie ein Nachwort. Letzteres gibt einen Überblick über den geschichtlichen Rahmen, das Haus der Wittelsbacher ab 1268 und über die handelnden Personen.

Fazit

»Blutföhre« ist ein packender Roman mit sehr guten Spannungsbögen, einem überzeugenden Plot und nicht zuletzt einem flüssigen Schreibstil, der den Leser sofort in seinen Bann zieht. Pfundmeiers Figuren sind glaubwürdig, sie berühren den Leser. Ulrich von Mering, Agnes von Hardenberg, der Wittelsbacher Ludwig II., der Raubritter oder Cäcilia sind mit dem ausgestattet, was auch echte Menschen kennzeichnet: Licht- und Schattenseiten. Denn Wünsche, Ängste, Träume und verborgene Sehnsüchte machen komplexe Figuren nicht nur aus, sie erwecken sie erst zum Leben.
Lesenswert.