Sabine Martin – Die Hüterin des Templerschatzes

Histo Journal Buchbesprechung: Sabine Martin »Die Hüterin des Templerschatzes«

Gelesen & notiert von Ilka Stitz

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Inhalt
Auf Elva von Arras scheint ein Fluch zu lasten. Immer wieder geschieht in ihrer Nähe Merkwürdiges: Ein Kronleuchter stürzt von der Decke, ein Bach füllt sich mit Blut. Als ein Mord geschieht, den man ihr anlastet, muss Elva aus Trier fliehen.
Währenddessen hütet der Tempelritter Amiel de Lescaux in der Provence einen sagenhaften Schatz. Doch die Templer sind in Gefahr. Der König will den Orden zerschlagen und dessen Reichtümer an sich reißen. Als sich Elvas und Amiels Wege kreuzen, kommt es zur Katastrophe …

Bastei Lübbe
559 Seiten
ISBN: 978-3-404-17574-1
Auch als e-Book erhältlich
Preis: 11,00 Euro

Leseprobe und weitere Informationen finden sich auf der Website des Lübbe Verlags.

Dem Tempelschatz auf der Spur

In ihrem neuen Roman befasst sich »Sabine Martin« – bekanntermaßen verbirgt sich hinter dem Namen das beliebte Autorenduo Sabine Klewe und Martin Conrath – mit dem Templerorden. Templer! Allein der Name erzeugt schon abenteuerliche Vorstellungen. Jeder hat von ihnen gehört, jeder verbindet damit mehr oder weniger spannende Geschichten von Rittern, und blutigen Schlachten unter der brennenden Sonne des Heiligen Landes.

Das Thema ist schließlich nicht ohne Grund bei Schriftstellern beliebt, viele historische Romane beschäftigen sich mit den kampflustigen Brüdern, deren Orden gegründet wurde, um die Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land zu schützen. Ihre hehren Ideale bringen viel Ruhm und Ehre mit sich, damit einher gehen aber auch Neid und Missgunst – wie stets bei erfolgreichen Akteuren in der Weltgeschichte. Und die Templer waren sehr erfolgreich. Sie verfügten zuletzt über ein schier unermessliches Vermögen. Obwohl Ruhm und Ehre allein schon genügen würden, um Neider auf den Plan zu rufen, so gelingt dies materiellen Gütern allemal. Erst recht, wenn der Reichtum legendär ist wie der ihre. Abgesehen vom sagenhaften Templerschatz – zu dem komme ich später – belebten die Templer den bargeldlosen Geldverkehr und entwickelten ihren Orden zu einer international agierenden Großbank. Sie verwahrten Vermögen, das man sich überall auf der bekannten Welt auszahlen lassen konnte, gegen eine Gebühr natürlich, und umgingen dadurch das Verbot des Geldverleihens. Die Händler indes brauchten nur noch ein Dokument zur Auszahlung, das für Diebe keinen Nutzen brachten. Ein Erfolgskonzept, mit dem sie nach und nach ein unermessliches Vermögen anhäuften. Natürlich verliehen sie auch ihr Geld, unter anderem schuldete ihnen der König von Frankreich, Philipp IV., genannt der Schöne, beträchtliche Summen. Auf deren Rückzahlung allerdings nur geringe Aussicht bestand, weswegen die Templer weitere Zahlungen verweigerten. Wahrscheinlich war diese Entscheidung ein wichtiger Nagel in ihrem Sarg.

Auch Sabine Martin hat sich nun den Templerorden vorgenommen, der Titel verrät es. Und auch bei ihnen geht es um den Templerschatz, diese geheimnisvolle Kostbarkeit, über die schon viele Gehirnzellen zermartert und unzählige Seiten Papier beschrieben und bedruckt wurden. Oft kommt an dieser Stelle natürlich der Heilige Gral ins Spiel, gelegentlich auch Maria Magdalena, doch so einfach macht Sabine Martin es sich nicht. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Eine fulminante Geschichte

Zunächst lernt der Leser, die Leserin, die Helden des Romans kennen. Zum einen ist da natürlich die Titelheldin Elva Fleringen, die Arnulf von Arras, einen verarmten Adligen, heiraten muss. Sie scheint vom Unglück verfolgt. Geradezu unheimliche Dinge geschehen um sie herum, die sie zu Tode ängstigen. Als schließlich ihr Mann auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, fällt der Verdacht sofort auf sie. Elva muss fliehen, sie macht sich auf den Weg zu ihrer Schwester, die mit einem Händler in Marseille verheiratet ist.

Zum anderen ist da Amiel de Lescaux, ein Mann mit Weitblick und eigenem Kopf – so beschreiben ihn die Autoren selbst im Nachwort. Er fühlt sich schuldig am Verschwinden seiner Schwester, die als Kind von Gauklern entführt wurde. Er schwor damals, sie wiederzufinden. Er tritt dem Templerorden bei, wird ein wackerer Ritter, der treu zu seinem Großmeister Jacques de Molay und dem Papst steht, auch wenn er gelegentlich an deren Entscheidungen zweifelt, ja verzweifelt. Und die ganze Zeit fiebert er der Erfüllung seines Schwurs entgegen.

Der dritte Akteur von Bedeutung ist sicherlich Guillaume de Nogaret, der von 1307 bis 1309 sowie 1311 bis 1313 Kanzler und Großsiegelbewahrer Philipps des IV. war. Er ist der Sohn von Ketzern, die von einem Templer an die heilige Inquisition verraten wurden. Seit er seine Eltern auf dem Scheiterhaufen sterben sah, ist sein Hass auf die Templer schier unermesslich.

Damit haben die Helden die Bühne betreten und es beginnt eine fulminante Geschichte, die sich zwischen Trier und Südfrankreich abspielt. In der Elva vor der Verfolgung fliehen muss, Amiel die Templer vor dem Untergang bewahren will und Guillaume de Nogaret allen Ehrgeiz in sein Ziel setzt: der Vernichtung des Ordens. Wir wissen alle, wie die Geschichte ausgeht, und doch bleiben genug Fragen offen, für die Sabine Martin interessante Antworten parat hat.

Hilfreich, um den Überblick zu wahren, wenn die Romanhelden kreuz und quer durch West-Europa unterwegs sind, ist eine Karte, ebenso wie das Glossar am Ende, das eine Erläuterung der wichtigsten Namen und Begriffe bietet. Leider gerät das Glossar an einigen Stellen etwas unübersichtlich, da hätte eine Leerzeile zwischen den Einträgen Klarheit gebracht.

Fazit

Ein spannender Roman, der viele bekannte Details um die letzten Jahre des Templerordens neu einordnet, Lücken in der Überlieferung originell füllt und eine einfallsreiche Antwort auf die so oft gestellte Frage anbietet: Was verbirgt sich denn nun hinter dem sagenhaften Schatz der Templer?