Trumbo

Filmstart »Trumbo«

Gesehen & Notiert von Tanja Schurkus

Der nette Swimmingpool-Kommunist

Ein Film über den Drehbuchautor Dalton Trumbo – seine Adaption des Romans »Spartacus« schuf einen Klassiker der Filmgeschichte. Seine eigene Geschichte ist geprägt von der Kommunistenangst in den USA der 50er Jahre.

©Paramount Pictures

Trumbo
USA 2015
Regie: Jay Roach
Darsteller: Bryan Cranston, Helen Mirren, Diane Lane, John Goodman
Kinostart: 10.03.2016

Damals, als ›die Roten‹ noch gefährlich waren

Ein Häuschen in den Hügeln über Hollywood mit Swimmingpool und Park, eine Familie die beim Barbeque zusammen sitzt: Ende der 40er Jahre hatte es Dalton Trumbo in die A-Riege der Hollywood-Autoren geschafft, und hier setzt der Film ein. Sehr schnell bekommt man ein {zugespitztes} Gefühl für die Fronten in Hollywood: Die {auf}rechten Patrioten auf der einen Seite, angeführt von John Wayne und der Kolumnistin Hedda Hopper {gespielt von Helen Mirren}; die Linksliberalen und Kommunisten auf der anderen Seite, unter ihnen Dalton Trumbo und Edward G. Robinson. Die erste halbe Stunde ist eine Hollywood-Revue und ein Suchbild für Cineasten, ein Ähnlichkeitswettbewerb mit bekannten Kinogrößen. Vor allem setzt es aber einige Vorkenntnisse über die politische Situation in den USA nach dem 2. Weltkrieg voraus. Das ›House Commitee for Unamerican Activities‹ hatte insbesondere Hollywood ins Visier genommen: Filme, die sich kritisch mit den Zuständen in den USA auseinander setzten, wurden als kommunistische Propaganda angeprangert. Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler wurden vor das Kommitee geladen. In der gesamten intellektuellen Szene der USA entstand das Klima einer Hexenjagd {der Autor Arthur Miller sollte die Erfahrung in einem gleichnamigen Theaterstück verarbeiten.} Wer als Kommunist gebrandmarkt wurde, erhielt Arbeitsverbot in der Filmbranche.
Dieses Schicksal ereilte auch Dalton Trumbo, nachdem er sich geweigert hatte, über seine politischen Ansichten Auskunft zu geben und Kollegen zu denunzieren.

Autoren, die sich zum Affen machen

Nach dem für deutsche Zuschauer etwas trockenen politischen Auftakt, rückt der Film einem nun persönlich nahe, vor allem in der Szene, in der Dalton Trumbo seine Haftstrafe antritt. Man empfindet die unnötige und willkürliche Demütigung dieses Vorgangs – ein Schicksal dass immerzu viele Kreative in aller Welt erleiden müssen.
Nach 10 Monaten in Haft sieht sich Trumbo vor dem wirtschaftlichen Aus: Sein Name steht auf der Schwarzen Liste, da er mit Arbeitsverbot belegt wurde. Er rettet sich in die B-Movie-Szene, schreibt unter Pseudonym, holt andere geächtete Autoren nach. Es hat tragikomische Momente, wenn Vertreter der links-liberalen Intelligenz Plots für Monster und Sex-ploitation-Filme planen. Der Produzent hat ein Affenkostüm angeschafft, also muss ein Affenfilm geschrieben werden. Es bisschen ›Ed Wood‹ weht durch den Film, dabei verliert er aber die menschlichen Tragödien nicht aus dem Auge: Ergreifend wird der Niedergang von Trumbos Autorenkollegen geschildert; der Verrat, zu dem Eduard G. Robinson sich vor dem Komitee veranlasst fühlte, stellt Fragen an Loyalität und Überlebensinstinkte; und die familiäre Situation im Hause Trumbo ist oft mehr als schwierig. Alle müssen mit anpacken und ihre eigenen Ansprüche hinter den Plänen des Vaters/ Ehemanns zurück stellen. Man bekommt eine Ahnung von Trumbos Besessenheit, aber eben nur eine Ahnung. Nach Momenten des Aufbrausens lenkt er ein und bleibt stets für alle verständnisvoll. Es ist der Darstellung von Bryan Cranston {»Breaking Bad«} zu verdanken, dass seine Knorrigkeit und Kantigkeit erhalten bleibt. Trumbo hätte sich selbst aber eher als zu zahm empfunden.

Der Film hat nicht nur ein typisch amerikanisches Thema, in typisch amerikanischer Manier beleuchtet er nicht so sehr die Verirrungen des Landes sondern deren Überwindung – verkörpert durch die aufrechte Überzeugung eines einzelnen Mannes. Der ist dann auch kein radikaler »Roter« sondern eher ein Swimmingpool-Kommunist. Und am Ende triumphiert er über seine Gegner: Mit Hilfe von Kirk Doulas und Otto Premiger durchbricht er das Arbeitsverbot, sein Name wird bei »Spartacus« und »Exodus« im Vorspann genannt und die Schwarze Liste war endgültig außer Kraft gesetzt.

Man hat dem Film vorgeworfen, dass er unkorrekter Weise Hollywood als tapferes links-liberales Häuflein darstellt. Tatsächlich aber erlebt man die unterschiedlichen Positionen, das Klima gegenseitiger Bezichtigungen, an denen Freundschaften zerbrechen. Dass er dabei den Privatmann Dalton Trumbo in den Mittelpunkt stellt, macht die Geschichte zugänglich, nimmt ihr aber auch ein wenig die Brisanz. In der Folge von 9/11 erleben die USA wieder eine Stigmatisierung und Donald Trump geht auf Stimmenfang mit der Ankündigung, Muslimen die Einreise in die USA verwehren zu wollen. Dass Hollywood sich in den Zeiten der ›Patriotic Acts‹ an eine vergangene »Hexenjagd« erinnert und zeigt, wie sie Lebensläufe {fast} zerstörte, ist ein sehr leiser Kommentar zum Tagesgeschehen, aber dennoch ein Statement.

Fazit

Hollywood erzählt über Hollywood – das ist vor allem für Cineasten interessant. Leider bleibt der Film eher hausbacken den üblichen Botschaften verpflichtet: Man muss sich selbst treu bleiben und an sich glauben etc. Für bleibende Momente sorgen vor allem die Schauspieler in einzelnen Szenen; leider zieht sich die Geschichte aber zu sehr ins private Drama zurück: Es hätte ein unbequemer Film über Zensur und ein vergiftetes gesellschaftliches Klima werden können.

Mein Lieblingssatz

»Ich bin Drehbuchautor. Natürlich kann ich Scheiße schreiben. Sonst würde ich verhungern.«

Histo Journal Filmpunkte: 3 von 5