Augustus – Sein Leben als Kaiser

Buchbesprechung: Karl Galinsky – »Augustus – Sein Leben als Kaiser«

Gelesen & Notiert von Alessa Schmelzer

»Augustus’ Einfluss auf seine Welt und auf die Weltgeschichte im Allgemeinen war geradezu monumental.«


»Augustus – Sein Leben als Kaiser«

Augustus ist einer der bedeutendsten Herrscher der Weltgeschichte – und einer der faszinierendsten zugleich! Er setzte dem Jahrhundert der Bürgerkriege ein Ende und schuf die als Pax Augusta bekannte langanhaltende innenpolitische Friedenszeit. Nach außen hin stabilisierte er das Reich durch die Sicherung der Grenzen und vergrößerte es in einem zuvor nicht erreichtem Maße. Mit der Einführung des Prinzipats begründete er zudem eine neue Epoche der europäischen Geschichte.

Weitere Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe und ein Inhaltsverzeichnis finden Sie auf der Website des Zabern Verlags.

Ein großes Jubiläumsjahr geht in diesem Monat zu Ende, denn vor 2000 Jahren, am 19. August des Jahres 14 n. Chr. starb Kaiser Augustus in Nola bei Neapel. Etliche Neuerscheinungen lagen schon 2013 vor. Darunter »Augustus – Aufrührer, Herrscher, Heiland« von Werner Dahlheim, »August 14 – Tod des Kaisers Augustus« von Holger Sonnabend oder auch »Augustus – Sein Leben als Kaiser« von Karl Galinsky. Letzteres ist Gegenstand dieser Besprechung. Galinsky ist Professor für Klassische Philologie und ein Spezialist für die augusteische Epoche der römischen Geschichte. Im vorliegenden Buch steht Kaiser Augustus als eine der ›Schlüsselfiguren in der Antike‹ im Fokus. Laut Autor habe sein Buch die Aufgabe eine »prägnante und informative Einführung« ins Thema zu geben.

Aufbau des Buches

›Augusteische Neulinge‹ werden erfreut sein über den Aufbau des insgesamt hochwertig gestalteten Buches. Neben zwei ausgewählten Karten {Römisches Reich} sowie einer Übersichtskarte Roms {14 n.Chr.} findet sich neben einem erläuternden Vorwort im hinteren Teil eine ausführliche Genealogie des Herrschergeschlechts. Auch findet sich dort eine hilfreiche Chronologie, welche mit der Geburt des späteren Augustus um 63 v.Chr. beginnt und mit dem Tod der Livia um 29 n. Chr. endet. Hinweise zu wichtigen antiken Quellen {hier erfolgt eine Auswahl der relevanten Quellengattungen}, ein Personen- und Sachregister sowie {dankenswerterweise} ein Register der Textstellen und Inschriften runden diesen Teil ab.

Kaiser Augustus
›Augustus Belivacqua‹
Glyptothek München
Büste des Kaisers mit Bürgerkrone
Augusteisch

In acht Kapiteln fasst Galinsky den Weg vom jungen Caesarerben bis zum ›divus Iulius‹ zusammen, wobei der Fließtext von farblich markierten ›Informationskästchen‹ unterbrochen wird. In diesen erläutert Galinsky ausgewählte Detailaspekte. Einfache Erklärungen zum Sternzeichen des Augustus’ finden darin ebenso Erwähnung wie Quellenaussagen zur Schlacht von Actium, einer detaillierten Beschreibung der Gemma Augustea oder ›Livias Heilmittel gegen nervliche Anspannung‹.

Macht über alle Dinge

Galinsky entwirft in seinem Buch das Leben des Mannes, der die römische Welt für immer verändern sollte. Zügig werden die ersten Jahre des späteren Kaisers im ersten Kapitel behandelt, wobei Galinsky besonders die Beziehung des jungen Octavian {Octavian erhält den Beinamen Augustus erst später} zu seinem Großonkel Caesar in den Fokus des Interesses rückt. Dies ist natürlich nicht verwunderlich, denn Adoption und Erbe ermöglichen es dem Neunzehnjährigen um die Macht in Rom kämpfen zu können. Somit stellt ›Machtkämpfe und Bürgerkrieg‹ den umfassendsten Abschnitt des Buches dar. Auf dreiundvierzig Seiten zeichnet der Autor die Geschehnisse bis Actium {Octavian besiegt Marcus Antonius sowie Kleopatra} nach. Rom drohte nach Caesars Tod in einem absoluten Chaos zu versinken. Unaufhaltsam strebte die Römische Republik ihrem Ende entgegen, beschleunigt durch kopflos agierende Caesarmörder {Brutus und Cassius flohen aus Rom} und Senatoren, die »alles andere als Visionäre« {S.31} waren, um adäquat auf wirtschaftliche, infrastrukturelle und auch soziale Probleme zu reagieren {s.S.31}. Letztlich läuft alles auf einen mitunter erbittert geführten Kampf zwischen Octavian und Marcus Antonius hinaus, den der Caesarerbe letzten Endes {Schlacht von Actium} erfolgreich für sich entscheiden konnte. Die beiden Kontrahenten ›schenkten sich nichts‹, wie es so schön heißt. Man denke nur an Cicero und seine ›Philippischen Reden‹, in denen er Antonius »als einen betrunken durch Roms Straßen taumelnde[n] Wüstling« beschreibt. Galinsky weist natürlich darauf hin, »dass Geschichte stets von den Siegern geschrieben wird« und etwaige Verunglimpfungen des Antonius als »Karikaturen« angesehen werden müssen {S.31}. Wie Galinsky sehr richtig schreibt, »pflegte sich Caesar keine Dilettanten an die Seite zu stellen« {S.32}, was letztlich nicht nur als ›pro‹ für Antonius sondern auch als ›pro‹ für Octavian anzusehen ist. In ›Machtkampf und Bürgerkrieg‹ beschreibt Galinsky die Positionen der einzelnen Akteure sehr anschaulich. In den anschließenden Kapiteln behandelt der Autor Octavians Weg zur Alleinherrschaft, gewährt einen Exkurs bezüglich der Namensgebung ›Augustus‹ und bezieht Stellung zum vermeintlichen ›Goldenen Zeitalter‹. Des weiteren findet sich ein Kapitel zu seinen Freunden und der Familie, wobei diese Viten zwar kurz und knapp aber durchaus lesenswert zusammengefasst worden sind. Etwas ausführlicher als die Darstellung der anderen fallen jene bezüglich Augustus’ Tochter Julia {aus der Ehe mit Scribonia}, Ehefrau Livia sowie Tiberius {Livias ältestem Sohn aus der Ehe mit Tiberius Claudius Nero} aus. Es folgen die Kapitel ›Lebendige Kultur‹, welches Augustus’ Leistungen in den Bereichen Literatur, Kunst und natürlich auch der Architektur thematisiert. So finden die Dichter Horaz, Vergil aber auch der erst später in Ungnade gefallene Dichter Ovid ebenso Erwähnung wie Vitruvs klassisches Handbuch über Architektur. In dem vorletzten Abschnitt ›Das Reich unter Augustus: Einheit und Vielfalt‹ legt Galinsky sein Augenmerk auf die Themenbereiche wie Verwaltung und Wirtschaft, Lebensweise in den Provinzen oder auch Aspekte des Kaiserkultes. Wie schon in den anderen Kapiteln wird auch hier noch einmal deutlich, dass Augustus’ besondere Fähigkeit darin lag Innovation und Tradition miteinander zu verbinden. Im letzten Kapitel des Buches befasst sich Galinsky mit den letzten Tagen des Kaisers ebenso wie mit einer Bewertung seiner Taten. Das Finden einer eigenen Position zum ersten römischen Kaiser überlässt er hierbei seinen Lesern.

Komprimiertes Wissen auf 190 Seiten

Für den historisch interessierten Laien liefert der Autor auf rund 190 Seiten ein zwar komprimiertes, dabei aber ein treffsicher formuliertes und daher äußerst kurzweilig zu lesendes Porträt des ersten römischen Kaisers. Ein wahrer Lesegenuss – und darin mit Werner Dahlheim oder Wilfried Stroh zu vergleichen. Denn heißt es nicht: Lehrer muss man lieben, sonst braucht man ihnen gar nicht erst zuzuhören? Eines ist daher sicher: Bei aller seitengebundener Kürze ist dieses Buch eine lohnenswerte Lektüre sowohl für den historisch Interessierten als auch historisch Versierten. Denn sowohl aus guten Büchern als auch von guten Lehrerinnen und Lehrern lässt sich immer irgendetwas Neues erfahren …

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