Artikelkategorie: Buchbesprechungen

Langer Marsch

Langer Marsch – Nennt Clementine Skorpils Ich-Erzähler Wen Pi in »Langer Marsch« die Erinnerungen, die in seinen Händen eine Eigentätigkeit ohne eigenes Zutun entfalten. Für ihn mag das zutreffen. Für Skorpil nicht. Sie schafft ein beeindruckendes Konstrukt aus historischen Fakten und fiktiven Figuren und Schauplätzen, kunstvoll ineinander verwoben. Für den mit chinesischer Geschichte und maoistischem […]

Neu-York

Neu York – Es ist das Jahr 1746, welches das zwanzigste Jahr der Regentschaft Georges II ist, als der Romanheld Richard Smith in Neu-York eintrifft. Einem kleinen Nest an der Ostküste Amerikas, wo den Neuankömmling neben einer abgebrannten Festung eine Wand mit angenagelten Skalps begrüßt. Skalps von Franzosen, freundlicherweise angeliefert von den mit den Briten […]

Die fremde Königin

Ein aufrechter König mit vielen Gesichtern – Rebecca Gablé hat sich vor allem einen Namen mit ihrer Waringham-Saga gemacht. Einer englischen Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen und Jahrhunderte erstreckt. Von Anfang an erweist sich Rebecca Gablé stets als profunde Kennerin der englischen Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. In »Das Haupt der Welt« […]

Evangelio

In des Ketzers Kielwasser … – Ausgerechnet ein Türke, ein Moslem, schreibt einen Lutherroman?, einen Roman über das Flaggschiff einer der großen deutschen Glaubensrichtungen, möchte man fragen … Aber ja, Christen schreiben ja auch über Mohammed und den Islam, warum also nicht ein Türke über eine christliche Religion? Vielleicht ergibt sich dadurch ja sogar eine […]

Licht

Wo Licht ist, da ist auch Schatten – Wenn wir heute das Licht anschalten, verschwenden wir kaum einen Gedanken daran, warum es hell wird. Die beiden Voraussetzungen sind uns selbstverständlich: Strom und eine Glühbirne {oder ihre modernen Verwandten}. Für beides hat Thomas Alva Edison einen entscheidenden Beitrag geleistet. Der Roman von Anthony McCarten wirft einen […]

Blutföhre

Am Anfang steht ein Baum – Oder besser, am Anfang wächst ein Baum. Und zwar nicht irgendein Baum, sondern die ›Blutföhre‹. Eine Föhre, die am Rande eines besonderen Platzes steht: dem Richtplatz nahe des Schlosses Friedberg im gleichnamigen Ort in Bayern. Nicht nur der Platz ist besonders, die Föhre selbst ist ungewöhnlich. Glaubt man der […]

Der letzte Pfeil

Wie der Krieg zu den Menschen kam – Ein Roman aus der Frühzeit, heißt es auf dem Cover. Und tatsächlich, darin geht es um Ötzi, die Mumie aus dem Eis, den Mann vom Tisenjoch. In Italien, wo der Mann gefunden und ausgestellt wird, heißt er »La Mummia del Similaun« oder auch »Uomo venuto dal ghiaccio« […]

Die Fremde

Die Erfindung der literarischen Doku-Fiktion – Stefan Hertmans Geschichte spielt im ausgehenden 11. Jahrhundert und wie so oft zeigt sich an dieser historischen Schilderung, wie aktuell auch derartig lange vergangene Geschehnisse sein können. Erschreckend wenig hat sich in all der Zeit in der Menschenwelt verändert. Noch immer sind Menschen auf der Flucht, wegen Verfolgung, Krieg, […]

Manitoba

Linus Reichlin »Manitoba« – Manitoba ist kein historischer Roman. Und doch passt er gut in das Konzept unseres Journals. Denn Manitoba ist ein Roman über Geschichte, ihre Bedeutung im Großen wie im Kleinen, über die Vergangenheit und die Erinnerung an vergangenes, im im engen und im weiten, ja weitesten Sinne. Damit wird »Manitoba« zu einem […]

Die Toten

Christian Kracht: »Die Toten« – Die Anfänge des Kinos waren, wie allgemein bekannt, wenig glamourös. Auf Jahrmärkten und in »Ein Nickel-Buden« {Nickelodeons} wurden kurze Filme vorgeführt, das Publikum duckte sich schreiend vor vermeidlich herannahenden Zügen und lachte über Stolperfritzen. Die »Hochkultur« wollte von diesem Medium lange nichts wissen. Der technische Fortschritt des Films, insbesondere das […]